Suhler Amtsblatt

NICHTAMTLICHER TEIL 15 SUHLER AMTSBLATT Juli 2018 Was vor 100 Jahren geschah Henneberger Zeitung 1. Juli 1918 Unser Krankenhaus soll nach dem Kriege wesentlich erweitert wer- den. Wie wir von unterrichtender Seite hören, besteht die Absicht, das Krankenhaus zu einer mit allen modernen Einrichtungen versehenen Anstalt auszubauen, die mindestens hundert Betten enthalten und mit Isolierstation, Röntgeneinrichtung, Freilicht- veranden, usw. versehen sein soll. Dadurch wird es in Zukunft vermieden werden, dass in beson- deren Fällen, Kranke auswärtige Spezialärzte aufsuchen. Der Ankauf des Steinecke’schen Grundstücks, den wir vor einiger Zeit meldeten, steht mit diesem Plan in Zusammenhang. Das zu- künftige Krankenhaus soll dann nicht nur der Stadt Suhl, sondern auch der weiteren Umgebung dienen, vor allem dem ganzen Kreis Schleusingen. Die maßge- benden Stellen haben in dieser Richtung bereits mit Schleusin- gen Fühlung genommen. Die Leitung wird ein hauptamtlich tätiger Arzt übernehmen müssen, da ihm ein wesentlich größeres Arbeitsgebiet zufallen wird, als es die Tätigkeit im Krankenhaus bisher war. Als Leiter ist Herr Dr. Förster ausersehen, der vor dem Krieg einige Zeit imbenachbarten Zella St. Blasi praktiziert hat und früher in größeren Krankenhäu- sern als Assistent tätig war. Er wird aber die Leitung des Suhler Krankenhauses schon am1. Januar übernehmen. Jetzt steht Herr Dr. Förster im Heeresdienst, wobei er in verschiedenen Feldlazaretten Gelegenheit hatte, besonders auf chirurgischem Gebiet Erfah- rungen mit den neuzeitlichen Behandlungsmethoden zu ma- chen, und seit einigen Monaten ist er im großen Krankenhaus Charlottenburg-Westend tätig. … Eine besondere Wohnung für den Krankenhausarzt wird auf dem Grundstück mit errichtet werden. Der bauliche Plan steht noch nicht fest; doch soll die ganze Erwei- terung so bald wie möglich nach demKrieg vorgenommenwerden. DieMittel, die sie erfordert, werden sehr beträchtlich sein andererseits aber werden sie auch für eine An- lage verwendet werden, die Suhl dringend braucht und die der gan- zen Bevölkerung zugute kommt. Henneberger Zeitung 3. Juli 1918 Die spanische Grippe in Deutschland. Im Verlauf einer Unterredung erklärte Geh. Rat Kraus einem Mit- arbeiter des „B.T“. über die neue Epidemie: „Ich kann bereits soweit Auskunft geben, das der Charakter dieser Epidemie im allgemeinen sehr gutartig ist. Die Menschen erkranken gewöhnlich plötzlich, manchmal mit einemSchüttelfrost, und daran schließt sich mehrstün- diges Fieber. Die Temperatur kann ziemlich hoch werden, ja bis 40 Grad steigen. Fast immer zeigt sich eine Rötung der Bindehaut, der Nasenschleimhaut und eine Entzündung der Rachenschleim- haut. Mandelentzündungen sind seltener zu beobachten. Ferner ist in der Mehrzahl der Fälle auch ein leichter Luftröhrenkatarrh, in der Regel mit reichlicherem Auswurf zu bemerken. Besonders anfangs leiden die Kranken an Kopf- und Nackenschmerzen; Nackenstar- re jedoch fehlt. Oft gehen die Schmerze von den Höhlen der Nase und den Stirnhöhlen aus. Die Kranken sind anfangs benommen und klagen auch über Schmerzen an verschiedenen Stellen des Körpers. Manchmal sind auch Darmerscheinungen vorhanden. Es fällt auf, dass die Pulsfrequenz trotz der starken Temperatur- steigerungen nicht erheblich ist. Trotz einer Temperatur von 40 Grad in den Achselhöhlen, konnte ich Pulszahlen unter Norm finden. Auch bei den hoch fiebernden Kranken ist die Temperatur nach 4-5 Tagen wieder die gewöhnli- che. Wenn ich einen Rat hinzu- fügen soll, so wäre es der, dass jeder Mensch, der jetzt plötzlich Fieber bekommt, sofort das Bett aufsuchen und sich schonen muß. Verschleppte Fälle können übel verlaufen. Von Mitteln, die die Krankheit kurieren können, wissen wir durchaus nichts Siche- res. Es wäre töricht, wenn irgend ein Arzneimittel plötzlich Mode würde. Da die Disposition für die Krankheit sehr verbreitet ist, wird leider die Isolierung nicht sehr viel nützen und kaum überall möglich sein. Wie in Thüringen im Allgemeinen, sind auch bereits in Suhl zahlreiche Erkrankungsfälle an der „spanischen Krankheit“ bzw. Influenza vorgekommen. In der Oberrealschule fehlen soviel Schüler, dass der Unterricht aus- gesetzt werden musste. Auch bei der Allg. Ortskrankenkasse meh- ren sich die Krank-Meldungen. Henneberger Zeitung 18. Juli 1918 31½Grad imSchattenwurdenges- tern Mittag hier gemessen, und in der Sonne zeigte das Thermometer weit über 40 Grad Celsius an. Der gestrige Tag war somit bisher der heißeste in diesem Jahr. Heute ist es bei teilweisebewölktemHimmel wieder recht warm, scheint aber doch nicht an die gestrigen Hitze- grade heranzukommen. BUCHTIPP DER STADTBÜCHEREI FÜR DEN MONAT JULI Vanessa LaFaye SUMMERTIME - Die Farbe des Sturms - München: Limes 2017 Handlungsort des Romans ist Heron Key in Florida im Jahr 1935. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Missy und Henry. Missy arbeitet seit vielen Jahren bei der weißen Familie Kincaid als Dienst- mädchen. Ihre Hauptaufgabe ist es, sich um den kleinen Sohn der Familie zu kümmern. Henry hat im Ersten Weltkrieg Amerika gedient. Nach Ende des Krieges ist er, wie tausend andere Soldaten traumatisiert und von der Regierung in Stich gelassen, durch das Land gezogen. Nach fast 20 Jahren kehrt er wieder in seine Heimat Florida zurück. Dort haben seine Schwester und Missy auf ihn gewartet. Beide sind froh, dass Henry zurück ist. Doch es ist nicht der Henry von damals. Von dem stolzen jungen Mann ist we- nig geblieben. Gezeichnet durch seine Erlebnisse zieht er es vor, im Lager bei den anderen Veteranen zu leben. Durch ein Brückenbau- projekt der Regierung Floridas können diese Veteranen beschäf- tigt und beaufsichtigt werden. Es ist eine Schande, unter welchen Umständen diese Menschen le- ben und arbeiten müssen, nach dem Krieg aus Europa kommend umjubelt und jetzt behandelt wie Abschaum. Besonders hart ist die Stellung der Schwarzen. Dieser historische Fakt ist kein Ruhmesblatt für die Politik der USA, die von der Rückkehr der Soldaten völlig überfordert ge- wesen war. Die Handlung beginnt am 4. Juli 1935. Wie jedes Jahr findet an- lässlich dieses Datums an diesem Abend am Strand ein Barbecue mit anschließendem Feuerwerk statt, ein Höhepunkt im Leben der Gemeinde. Die Einwohner von Heron Key wissen eigentlich schon, wie es abläuft. Getrennt nach Schwarzen undWeißen feiert jeder auf seiner Strandseite. Und es gibt, wie üblich, die gewohnten Auseinandersetzungen zwischen beiden Gruppen. Zu diesen gesel- len sich die durch die Umstände verrohten Kriegsveteranen Doch diese Mal nimmt das Fest einen dramatischen Ausgang. Eine wei- ße Frau wird schwer misshandelt. Es ist die Frau, bei der Missy ange- stellt ist. Da Henry sich nach einem zufälligen Treffenmit Missy wieder in der Stadt sehen lässt, fällt der Verdacht auf ihn. In der Stadt spitzen sich die Beziehungen ihrer Bewohner bedrohlich zu. Eine beispiellose Hetzjagd auf Henry beginnt, die er sich nur durch eine Flucht entziehen kann. Das dramatische Geschehen er- fährt seinen Höhepunkt durch das Heraufziehen eines Hurri- kans. Die Bewohner haben mit Unwettern ihre Erfahrung und sind vorbereitet, doch mit einer Naturkatastrophe dieses Ausma- ßes sind auch sie überfordert. Die außergewöhnliche Situation sorgt dafür, dass einige Menschen über sich hinauswachsen und dass die Unmenschlichkeit anderer noch größer wird. Die Autorin versteht es ausge- zeichnet, das Verhalten und die Stimmung ihrer Protagonisten darzustellen. Die Handlung ist spannend ge- schrieben und gibt einen guten Einblick in die damalige Zeit. Die menschlichen Beziehungen werden von der Rassentrennung bestimmt. Es ist ein überzeugender und sehr packender Roman, der auf historischen Ereignissen aufbaut. Die ganz besondere Atmosphäre auf den Keys ist wunderbar ein- gefangen. Vanessa Lafaye wuchs in Florida auf, wo kaum ein Jahr ohne Wir- belstürme vergeht. Später ging sie nach England, wo sie mit ihrem Mann und drei Katzen in Marlbo- rough, Wiltshire lebt. Am Bahnhof 10 • 98529 Suhl • Tel.: 0 36 81 / 72 39 81 VERMIETEN • VERKAUFEN GUTACHTEN www.hauptmakler.de ahnhof 10 • 98529Suhl •Tel.: 03681 / 723981 Altes Krankenhaus in der Neundorfer Straße. Foto: Stadtarchiv.

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