Suhler Amtsblatt

NICHTAMTLICHER TEIL 15 SUHLER AMTSBLATT Juni 2018 Eingemeindung des Oberlandes in die Stadt Suhl vor 315 Jahren Das uns heute bekannte Suhler Oberland war einst namentlich der Schluttgarten (Schlauchgar- ten) und bestand schon 1517. Die Bezeichnung Schluttgarten kommt wohl von dem mittel- hochdeutschen Wort „slote“. Das wasserreiche Gebiet, durchflossen von der Lauter, der Steina, dem Heldersbach und dem Fallbach, hatte so manche morastige Stelle und gewiss viele Teiche. An den schnell fließenden Gewässern und den Gewerksgräben drehten sich die Wasserräder. Diese setzten Hammerwerke, Bohr- und Schleif- mühlen, Säge- undMahlmühlen in Bewegung. Vor allem wurden hier Eisenerzeugnisse gefertigt, später auch Handfeuerwaffen, die den Namen der Stadt Suhl in alle Welt trugen. Dies und der Reichtum an Holz sowie vorhandenes Weide- und Ackerlandmachten das Leben hier lebenswert. Aber auch die direkte Lage an den uralten Handelswegen wie durch das Fallbachtal oder über die Schneid und die Suhler Loibe ließen hier Menschen siedeln. Am 27. Juni 1703 wurden die „Schlauchgärtner“ mit der Stadt Suhl vereinigt. Der Vorsteher, wur- de Schlauchgarten-Schulze und zeitweise auch „Bürgermeister auf den Hämmern“ genannt Da Suhl damals in vier Viertel un- terteilt war, denen Viertelsmeister vorstanden, wurde das Oberland als fünftes Viertel aufgenommen und zwar nach entsprechenden Verhandlungen. Zum Beispiel wurden die 630 Oberländer in den Bürgerstand der Stadt Suhl gesetzt, wo nun für sie die Statuten der Stadt galten. Ein Vorsteher und ein Viertelsmeister vertraten nunmehr die Interessen der Oberländer. Jagdfrohnen, Kosten für Reisen der fürstlichen Herrschaften, Pferdefuhren und andere Frohnen wurden geregelt. Auch das Zuziehen oder Abwan- dern von Einwohnern von und nach dem Schlauchgarten, wurde durch das „Bürgergeld“ festge- schrieben. In der Stadt Suhl sind zu dieser Zeit 3856 Einwohner registriert. Der Akt der Eingemeindungwurde offenbarmit Freudeaufgenommen und würdig mit einem Festumzug durch das Oberland gefeiert. Bei diesem Festumzug marschierten hinter dem letzten „Bürgermeister auf den Hämmern“ die Hammer- schmiede mit ihren Bläsern und Pöchern, Kärrnern und Fuhrleute, Bergleute, Waffenschmiede, Holz- hauer, Weber u. a. Berufsgruppen. 15 Jahre später, also 1718 kam Suhl unter die Regierung der Kurfürsten zu Sachen. Der neue Landesherr war Kurfürst Friedrich August, genannt „Der Starke“. Im gleichen Jahr, am 6. Mai, baten der Suhler Bürgermeister, der Vorsteher und die Viertelsmeister einem neuen Kirchenbau für Suhl zuzustimmen. Grund für diese eindringliche Bitte war gewiss das starke Anwachsen der Kommune wohl auch durch die Eingemein- dung von Ober-Suhl. Denn schon am9. Mai wurde diese Bitte ergänzt und für die Bürger und Kinder im Schlauchgarten, in der Lauter und der Steinau ein Kirchenbau und ein Schulbau beantragt. Eine Kirche im Oberland erhielten die Bittsteller allerdings nicht. Auch eine Begräbnisstätte hat es für die Oberländer nie ge- geben. Die lang erhoffte Schule (Ober- landschule) wurde erst im Jahre 1841 nahe demHenneberger Haus errichtet, und am 2. Oktober 1909 fand die feierliche Einweihung der einstigen Lauterschule statt, er- baut nach den Plänen des Münch- ner Architekten Herrn Ludloff. Vor der verheerenden Feuers- brunst im Mai 1753, die fast ganz Suhl vernichtete, blieb das Ober- land mit seinen 162 Häusern, dank der isolierten Lage verschont. Gasthöfe gab es zeitweise Zehn an der Zahl, so der „Goldene Pfeil“ in der Gothaer Straße 127, das „Gast- haus Lauwetter“ im Lauwetter 33. Weiterhin gab es das „Henneber- ger Haus“ Gothaer Straße 118, das „Gasthaus Zur Lauter“ in der Lauter 7, den „Hochofen“ Lauter 47/49, das „Restaurant Klett“ Heldersbacher Weg 1, den „Lautergrund“ in der Lauter 32, die Gaststätte „Zur Ler- che“ Ziegenberg 16, das Gasthaus „Fröhlicher Mann“ am Fröhlichen Mann und die „Die Mais“ Gothaer Straße 115. Weit früher gab es schon die Fuhr- mannsgasthöfe „Schwarze Katze“ am Beginn des Weges zur Hoff- nung und „Roter Ochse“ in der Schmückestraße 21, am Aufgang zum Hügel. Die „Schwarze Katze“ ist noch als KohlenhandlungOrban bekannt Auch die „Büß“ war ein uralter Gast- hof an der Stelle, wo der Aufgang zum Ziegenberg beginnt. (heute Schmückestraße 18) Die spätere Bezeichnung „Zur guten Quelle“ hat sich bis heute im Gedächtnis der Oberländer erhalten. Das „Henneberger Hauses“ war vor seinem kompletten Neubau einst ein Gasthof für durchkommende Fuhrleute sowie ein Fuhrmanns- haus mit Landwirtschaftsbetrieb. Im Übrigen begann das V. Stadt- viertel am einstigen „Gasthaus Lauwetter“, heute Lauwetter 33 mit der Hausnummer 1 und schloss den Regenspiegel, die Harzgasse, die Hoffnung, die Gothaer Straße, die Fröhliche-Mann-Straße unddas Steinsfeld ein. Hier ging es mit der Nummerie- rung der Hausgrundstücke zurück in die Gothaer Straße, hinab zum Teichweg hinter das „Henneberger Haus“, zur Schmückestraße und dem Hügel sowie die Wiesenstra- ße hinauf. Nun passierte es: den Schlauchgarten, den Schwarzwas- serweg, die Schulzenhohle und umfasste dann einen Teil der Go- thaer Straße in Richtung Stadt und führte nunmehr über den Roten Stein zurück in die Schmückestra- ße durchquerte die Schneid, die Lauter und streifte den Steinhorst bis zum einstigen Gasthof „Zum Hochofen“ in Richtung Goldlauter und führte dann zurück am Hel- dersbach hoch, um am einstigen Gasthaus „Zum Fröhlichen Mann“ zu enden. Die Straßennamen wie Mauerstra- ße, Kefersteinstraße, Krinitzenstra- ße, Ziegenbergweg bestehen erst seit der Straßenum- und Neube- nennung im Jahr 1905. Da das Oberland an den wichtigs- ten Handelswegen gelegen war, gab es hier gute Voraussetzungen für denHandel mitWarenund auch die Ansiedlung von neuen Her- stellungszweigen war begünstigt. Als ein durchaus wichtiger wirt- schaftlicher Standort z. B. durch die Produktion des berühmten Schlegelmilch-Porzellans, der Herstellung von Schreibmaschi- nen, Werkzeugen, Fahrräder etc. war das Oberland über die Jahr- hunderte zu einem gewichtigen Gemeinwesen gewachsen. So kamen hier die Komponenten Natur und Fleiß der Menschen zusammen, die Grundlage für das Aufblühen Suhl’s waren. Foto: Stadtarchiv

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