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In die Untertagewelt abtauchen

Der Augsburger Karl Rieger hat in 20 Jahren am Vesserer Crux einen Erlebnispark rund um den Bergbau geschaffen | Ein Besuch lohnt sich

Suhl. Die Stadt Suhl einschließlich Ortsteile kann auf eine bedeutende Bergbaugeschichte zurückblicken, mit der sie den weitaus bekannteren Städten und Stätten des historischen Bergbaus im Erzgebirge in nichts nachsteht. Nun ist es schon über 20 Jahre her, dass man sich des Montanwesens der Vorzeit nach langem Vergessen wieder verstärkt zuwandte. Es wurden umfangreiche Erkundungen gestartet, Broschüren und Informationen veröffentlicht, es entstanden Bergbauwanderwege … Kurzum: Das Thema Bergbaugeschichte war in aller Ohr. Genau in dieser Zeit, 1998, verschlug es den Augsburger Unternehmer Karl Rieger in den Thüringer Wald. Als neuer Eigentümer des Waldgasthauses „Schwarzer Crux“ wurde er sofort mit dem bis dahin verschlossenen Bergwerk gleichen Namens unter dem Haus konfrontiert und mit dem „Bergfieber“ infiziert. Auf Karl Riegers Initiative hin entstand an und unter der Gaststätte ein Bergbauerlebnisbereich mit Besucherbergwerk, Ausstellung und Kinderbergwerk.


Könnte schon seit zehn Jahren seinen Ruhestand genießen: Der aus Augsburg stammende Inhaber des „Schwarzen Crux'“ Karl Rieger ist immer noch als Wirt und Bergwerksführer im Einsatz.

Wann der erste Bergbau im Gebiet um Vesser stattgefunden hat, lässt sich heute nicht mehr nachweisen. Eine Urkunde aus dem Jahre 900 nennt eine Lokalität namens Vesser, wo Eisen geschmolzen (zusammengeblasen) wird („… Uezzerun ubi ferrum conflatur …“). Der Suhler Ortsteil Vesser nahm diese Urkunde zum Anlass, im Jahr 2000 das 1100. Ortsjubiläum zu feiern.


Rund um das Gasthaus „Schwarzer Crux“ beim Suhler Ortsteil Vesser ist ein Bergbauerlebnisbereich entstanden.

Befunde für mittelalterliche Waldschmieden am Ruppbach und der für 1406 beurkundete Eisenhammer in der heutigen Ortslage belegen, dass bereits damals Bergbau umgegangen war.

Im Feld des „Roten Crux“ finden wir den wahrscheinlich ältesten Bergbau am Fuß des Eisenbergs, da die hier vorkommenden Roteisenerze (daher der Name: „Roter Crux“) im Rennfeuer (= älteste Verhüttungsmethode) gut schmelzbar waren. Der Abbau dieser Erze erfolgte über kleinere Schachtanlagen, die später über einen oberen Stollen und letztendlich über den Tiefen Gloriastollen Wasserlösung erhielten. Dieser Stollen diente späterhin auch zum Abtransport der im „Schwarzen Crux“ gewonnenen Magneteisenerze. Für die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg sind keine Grubennamen und nur wenige Daten überliefert. In der Zeit von 1647 bis 1750 fand Abbau auf den Gruben „Glückauf“, „Elisabeth“ und „Gloria“ statt. Diese bildeten zusammen schließlich ein großes Bergwerk, das im 19. Jahrhundert mit dem benachbarten „Schwarzen Crux“ verbunden wurde.


Im Bergwerk.

Der schwarze Magneteisenstein, wie er im „Schwarzen Crux“ gewonnen wurde (daher der Name), war schwer schmelzbar und im anfänglich üblichen Rennverfahren in reiner Form nicht verhüttbar. Erst durch die Einführung der Blau- und Hochöfen Mitte bis Ende des 17. Jahrhunderts konnte man diese Erze vorrangig verarbeiten. Mit der „Erbauung eines Hohen Ofens zu Schmiedefeld“ 1647–1650 begann auch der Abbau der Eisenerze im Bereich des „Schwarzen Crux“. Nach dem „Extrakt des herrschaftlichen Eisenstein-Zehntens aus dem Suhlaer Berg-Amts-Revier“ wurde 1732–1742, mit Unterbrechungen, auch der „Schwarze Crux“ bebaut. Das rege Bergbautreiben dauerte in allen Grubenfeldern bis etwa um 1750 an, um 1775 ruhte die Abbautätigkeit. Ab 1780 bis 1818 erfolgte eine Nutzung der Erze aus den Grubenfeldern des „Schwarzen“ und „Roten Crux“.


Ausblühungen von Sekundärmineralen (Azurit).

Nach einer Aufstellung gangbarer Gruben gehörte 1827 der „Schwarze Crux“ zu den drei besten jener Zeit im Hennebergischen. In der Folge (um 1840) gelangten die „Vereinigten Cruxzechen“ in den Besitz des „Henneberger Glashüttenvereins“, der den hennebergischen Mineralreichtum der Suhler Eisenindustrie nutzbar zu machen suchte und dazu auch die Königliche Eisenhütte „Neuwerk“ bei Schmiedefeld erwarb. Als am 6. April 1858 die Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb „Hennebergia“ zu Suhl ins Leben gerufen wurde, traten dessen Mitglieder derselben als Aktionäre bei. Mittels zweier Schächte, des Mathilden- und des Carolinenschachtes, wurden am „Schwarzen Crux“ ein bedeutendes Magneteisenstein- sowie ein Granateisensteinlager aufgeschlossen. Nach der Auflösung der „Hennebergia“ AG 1863 fand nur noch ein gelegentlicher Abbau durch private Kleinunternehmer statt. Von 1912–1924 nutzte die Eisenwerks-Gesellschaft Maximilianshütte / Unterwellenborn die Eisenerze des „Schwarzen Crux“. In den Jahren 1952–1954 fanden Erkundungen zur Abbauwürdigkeit statt, mit dem Ergebnis, dass die Gruben ab 1954 endgültig auflässig blieben. Zwischen 1977 und 1979 wurden alle Tagesöffnungen sowie einige oberflächennahe Grubenanlagen im Gebiet bergmännisch verwahrt.

Das Besucherbergwerk „Schwarzer Crux“

Nachdem Karl Rieger sich eingehender mit der Geschichte seines Gasthauses als ehemaliges Maschinenhaus der „Crux-Zeche“ befasst, eine kleine museale Sammlung dazu angelegt, Mitstreiter gefunden und mit ihnen einen Interessen- und Förderverein gegründet hatte, trieb er 1999 die Aufwältigung des Bergwerks voran. Er und seine Mannen waren emsig im Einsatz, fortan einen Teil der Grubenanlage des „Schwarzen Crux’“ als Besucherbergwerk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu wurden Hunderte Schubkarren Abraum und Gestein aus dem Bergwerk gefahren, ein neuer Zugang geschaffen, der es ermöglicht, auf Treppenstufen nach Untertage zu gelangen, Wege geebnet, Treppen, Geländer und Beleuchtung in der Grube eingebaut und alle Anforderungen einer bergamtlichen Abnahme erfüllt.

2007 erfolgte schließlich die Eröffnung des Besucherbergwerkes.

In einem ca. 40 Minuten langen Rundgang bis in 35 Metern Tiefe werden heute Geologie, Erzführung und Abbautechniken erklärt sowie historische Strecken, Förderanlagen und Abbaue aus dem 17. Jahrhundert bis 1924 gezeigt. Anstehende Gesteine, Erze und Minerale sowie farbenfrohe Sekundärmineralisationen ziehen die Blicke der jährlich rund 8.000 Besucher auf sich.

Die Bergbauausstellung

Viel Fleiß und ehrenamtliche Arbeit haben Karl Rieger und seine Mitstreiter auch in den Aufbau der bergbaulichen Sammlung in den Räumen neben der Gaststube investiert.

Vielfältige Objekte des neuzeitlichen Bergbaus wurden zusammengetragen. In einem Ambiente, das durchaus ein Untertagegefühl aufkommen lässt, kann der Besucher Lampen, Werkzeuge, Spreng- und Fördertechnik sowie Kleidung von Bergleuten vor allem des 19. und 20. Jahrhunderts bestaunen.

Umfangreich ist auch die Sammlung von Erzen und Mineralen. Hier kann auch das eine oder andere Stück aus dem Thüringer Wald, ja selbst aus dem Vesserer Crux-Gebiet entdeckt werden.

Kinderbergwerk

Neben dem Zugang zum Besucherbergwerk können Kinder im Gelände des „Morgensterner Pingenfeldes“ selbst zum „Bergmann“ werden und mittels Schlägel und Eisen echtes Eisenerz (Magneteisenstein) schürfen. Der Magnet, wenn er haften bleibt, bestätigt die Echtheit der gefundene Stücke, die die Kleinen dann als Andenken mit nach Hause nehmen dürfen.

Bergbauwanderweg „Crux-Zechen“ bis Frühjahr 2020 in der Kur

1999 wurde ein 4,7 km langer Rundweg – am Vesserer „Offenstall“ beginnend – mit zunächst neun Stationen unmittelbar an den Stätten des Bergbaus als Bergbauwanderweg „Crux-Zechen“ an die Öffentlichkeit übergeben. Da ein Teil des Weges durch Gelände führt, in dem kein Bergbau stattfand, ließ die Ortsteilverwaltung 2001 den Pfad noch um drei weitere Tafeln ergänzen, die der Verhüttung, der Waffenstadt Suhl und der Genese der Erzlagerstätten gewidmet sind.

Der Weg wird von der Vesserer Verwaltungsstelle sowie vom Tourismus- und Heimatverein unterhalten.

Da 20 Jahre Wind und Wetter deutlich ihre Spuren an Tafeln und Aufstellern hinterlassen haben, wurden diese 2019 demontiert. Bis zum Frühjahr 2020 werden sie durch neue ersetzt.

Das Besucherbergwerk „Schwarzer Crux“ ist täglich – außer donnerstags – von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet und wird in Führungen gezeigt. Letzte Führung ist jeweils 16.00 Uhr. Sonderführungen und Gruppenanmeldungen erfolgen unter Telefon 036782 60606.

http://www.schwarzer-crux.com/

Text/Fotos: Thomas Dreger

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