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„salam“ – Musikalischer Dialog der Kulturen und Religionen

Konzert mit der Jazzformation Ufermann und Hayat Chaoui am 17. März in der Magdalenenkirche Zella-Mehlis

Zella-Mehlis. Am Sonntag, dem 17. März 2019, findet um 17.00 Uhr in der Magdalenenkirche im Zella-Mehliser Stadtteil Mehlis ein besonderes Konzert statt: Ein musikalischer Dialog der Kulturen und Religionen. Im Rahmen des Stadtjubiläums ist die Jazzformation Ufermann gemeinsam mit Hayat Chaoui zu Gast. Ein Ensemble, das mit seinem Konzert „salam“ Verbindungen im Großen und im Kleinen sucht.

Das Projekt „Aufwind“ des Kunst- und Kulturvereins Zella-Mehlis hat die Gäste eingeladen. Julia Pöhlmann von „Aufwind“ fragte Erhard Ufermann im Vorfeld schon mal ein bisschen aus:

Herr Ufermann, Glückwunsch, auch Sie feiern dieses Jahr ein Jubiläum?
Ufermann: Ja, das stimmt. Unsere Jazz-Formation gibt es jetzt 30 Jahre in weitestgehend ursprünglicher Grundbesetzung. Das schaffen nur wenige Bands – Die Rolling Stones zum Beispiel …

Lassen Sie uns einen Blick zurückwerfen, wie hat alles angefangen?
Ufermann: Ich bin Theologe und hatte großes Interesse für die südamerikanische Befreiungstheologie, die sich mit den Rechten der Armen auseinandersetzt. Ich ging also auf Reisen, und hab dann auch eine Weile in Brasilien verbracht. Dort gab es viel Kontakt zu den Gemeinden und ich entdeckte mein Interesse für Musik neu.

Wie kam das?
Ufermann: Es gab viel Musik im öffentlichen Raum. Leute, die auf dreibeinigen Hockern auf der Straße sitzen und Musik spielen. Ich kam also in Kontakt mit dem Latin Jazz. Das hat mich fasziniert, die Musik und die sprichwörtliche Leichtigkeit des Seins.

Und diese Leichtigkeit haben Sie dann mit nach Deutschland gebracht?
Ufermann: Wir haben das versucht (lacht). Was mitgekommen ist, sind musikalische Elemente und Charakteristika, die man bis heute in unserer Musik findet. Wir haben schnell begonnen, interkulturelle Konzerte zu veranstalten, auf Touren in Südamerika mit brasilianischer Sängerin und in Europa mit verschiedenen Künstlern. Es kam zu spannenden Zusammenarbeiten: Mit griechischen Tänzerinnen oder mit einem türkischen Schauspieler. Er hat im Konzert türkische und kurdische Texte rezitiert.

Und seit 2014 arbeiten Sie unter anderem mit Hayat Chaoui zusammen?
Ufermann: Ja, das hat uns sehr gefreut. Hayat Chaoui hat bis dahin fast nur Klassik gemacht. Sie ist eine von nur drei klassisch ausgebildeten marokkanischen Sängerinnen in Deutschland. Im letzten Jahr wurde sie Frau Merkel für den nationalen Integrationspreis nominiert und 2020 übernimmt sie die künstlerische Leitung bei einem interkulturellen Chor in der Elbphilharmonie. Ich habe Hayat singen gehört und daraufhin eingeladen, und gefragt, ob sie Lust hat, mit uns zu arbeiten. Sie hatte.

Und sie brachte arabische Musik in die Band?
Ufermann: In den ersten zwei, drei Jahren hat sie gesungen, was wir wollten, dann brachte sie eigenen Lieder ein. Sie ist ja klassisch ausgebildet, da waren auch christliche Stücke in ihrem Repertoire, zum Beispiel die Matthäus-Passion. Ich fragte also, ob sie als Muslima keine Probleme damit habe. „Nein, gar nicht, das ist Kunst und Musik“, war die Antwort. Aber sie erzählte von ihren Wurzeln und davon, wie sie daheim als Kinder mit dem Papa auf arabisch gesungen hatte. Da wuchs die Idee einer transreligiösen Begegnung.

Wie hat das musikalisch gepasst?
Ufermann: Im Konzert werden einige Texte rezitiert, auch auf arabisch. Andere Stücke wurden von unserem Arrangeur verjazzt. Wir haben beim Zusammenstellen überraschende Gemeinsamkeiten gefunden. Nehmen Sie zum Beispiel das Volkslied „Der Mond ist aufgegangen“, das bei uns jeder kennt. Im arabischen Sprachraum existiert ein Lied, das genauso heißt und auf den Propheten Mohammed zurückgeführt wird. Aber der Takt unterscheidet sich: eins steht im 3/4 Takt, das andere im 4/4. Wir haben die Lieder miteinander verbunden und springen zwischen beiden Takten. Für uns ist das ein schönes Beispiel für das, was wir wollen: Verbindungen schaffen.

Das Konzert heißt ja „salam“, also Frieden …
Ufermann: Ja, da ist natürlich noch die interreligiöse Ebene. Es gab viele theologische Gespräche zwischen uns. Dabei stießen wir immer wieder auf eine Wahrheit: Der Urgrund aller Religionen ist Frieden. Das Konzert „salam“ ist die Suche nach dem Gemeinsamen. Unser gemeinsamer Nenner ist nicht an erster Stelle die Liebe zur Musik und zur Poesie – in der jeweiligen Mystik der Religionen ist das Gemeinsame zu finden: Die Art und Weise, wie man versucht, seinen Glauben und seine Weltsicht zu leben. Dabei spielt das Herz eine wichtige Rolle. Und das ist ein allgemeines menschliches Phänomen: Wir haben alle Herzen.
Damit können alle in der Band mitgehen, auch die, die mit Kirche gar nichts am Hut haben.

Schon in ein paar Tagen sind Sie bei uns zu Gast. Worauf freuen Sie sich besonders?
Ufermann: Wir freuen uns auf die Begegnungen unterwegs. Auf das Zusammensitzen nach dem Ende des Konzerts, auf Gastfreundschaft. Und natürlich auf unsere gemeinsame Zeit. Auf Tour ist man konzentrierter, spielt sich anders ein. Das Unterwegssein hat seinen eigenen Reiz.

Herr Ufermann, ich bedanke mich für das Gespräch und freue mich sehr sehr auf Ihr Konzert.

Karten für das „Konzert der Kulturen“ sind erhältlich in der Tourist-Information Zella-Mehlis (Montag-Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr, 03682 482840) im Vorverkauf für zehn Euro (ermäßigt: sieben Euro).

www.jazz.ufermann.net/

www.wz.de/nrw/wuppertal/diese-frau-ist-durch-und-durch-musikalisch_aid-26550683

www.aufwind-zm.de

Foto: Bettina Osswald, https://www.facebook.com/jazz.ufermann

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