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Forschende, Suchende und Neugierige sind stets willkommen

Das Suhler Stadtarchiv versteht sich nicht nur als Verwahrer alter Schrift- und Bildschätze, sondern als Dienstleister für alle, die historische Quellen nutzen wollen

Suhl. Nach Jahrzehnten in Zentrumslage führt das Suhler Stadtarchiv seit 2009 ein wenig ein Schattendasein im ehemaligen GST-Objekt draußen in Heidersbach, weit vor den Toren der Stadt. Mit dem Abriss des Bühnenhauses des Hauses Philharmonie verlor das Archiv sein letztes Domizil in der Innenstadt. Die jetzige Heimstätte in Heidersbach, im Dreieck von Justizvollzugsanstalt, Bauhof und Zollbehörde, sollte nur eine Interimslösung sein, was man dem Gebäude auch ansieht. Archivleiterin Andrea Walther, Stellvertreterin Annett Raute und Mitarbeiterin Antje Chudy harren seitdem auf einen Wiedereinzug in das Zentrum der Stadt.

Aus der Welt ist das Stadtarchiv aber dennoch nicht. Es liegt direkt an der Zellaer Straße. Mit dem Auto kommt man gut hin. Man findet auch immer einen kostenlosen Parkplatz direkt vor der Tür. Eine Bushaltestelle der SNG ist auch nicht weit weg. Wer also etwas sucht, originale Dokumente, Urkunden, Akten, Karten, Fotos, Text- und Bildquellen – sei es für die eigene Familienchronik, für ein Referat in der Schule, für eine Ausarbeitung zur Stadt- und Regionalgeschichte, für baugeschichtliche Gutachten zur Baubeantragung etc. oder nur für die eigene Neugier – ist auch hier in Heidersbach immer willkommen (dienstags und donnerstags zu den Öffnungszeiten oder nach telefonischer Vereinbarung).

„Das Archiv – ein Sammelhaus für bedeutungsvolles Papier“ (Heinrich Friedrich Christian Kunze)


Das „Herz“ des Suhler Stadtarchivs: Die Urkundensammlung mit dem ältesten Suhler Dokument, eine Innungsakte des Metzgerhandwerks aus dem Jahr 1621.

Ein Archiv entsteht und wächst zeitgleich mit der Errichtung einer Verwaltung. Es beginnt mit der einfachen Aktenablage, die jedoch stetig wächst. Die Bestimmung zur Aufbewahrung  erfolgt nach historischen, wirtschaftlichen oder auch finanztechnischen Aspekten. Im Archivwesen gibt es zwei Ablageprinzipien. Zum einen, nach der Provenienz, das heißt Herkunft, also wo die Akte entstand, und zum anderen gibt es das Perdinenzprinzip, und das heißt, die Akten werden nach Sache oder Inhalt abgelegt.


Andrea Walther zeigt eine alte Urkunde aus dem 17. Jahrhundert.

Ein Rats- bzw. Stadtarchiv hat demnach auch in Suhl zu jeder Zeit bestanden, mit gewiss zahlreichen Quellen zur Besiedlung und Gründung der Stadt. Doch die vielen äußeren Einflüsse, wie auch die Stadtbrände haben natürlich ihre Spuren hinterlassen und wertvolle Zeugnisse der Vergangenheit vernichtet. So auch beim letzten verheerenden Stadtbrand am 1. Mai 1753. (Auch wegen Unwissenheit sowie Unbesonnenheit und Vernachlässigung ging schon viel historisches Schriftgut verloren).


Zeitungsbestand ab 1816.

Nach dem – wenn auch späten – Wiederaufbau des oberen Rathauses am Markt (heute Altes Rathaus) von 1813 bis 1817 begann das Wiederanwachsen der Registratur zum heutigen Stadtarchiv. Es verwahrt unzählige historische Zeitzeugnisse.

Wenige alte Schriftstücke wurden über den Stadtbrand von 1753 gerettet. So ist die älteste Akte des Bestandes der Stadt Suhl eine Innungsakte des Metzgerhandwerkes aus dem Jahr 1621.

Älteste Akte von 1500 stammt aus Albrechts

Jedoch werden im Stadtarchiv nicht nur Akten der Suhler Verwaltung verwahrt.

Es befinden sich auch die Bestände der eingemeindeten Ortschaften im Stadtarchiv Suhl. Eine Akte der Gemeinde Albrechts mit dem Titel „kürzlicher Bericht, wer die Zeller und Heineschßer und Albrechßer Kirchen erbauet hat“, ist auf das Jahr 1500 datiert und somit das älteste Zeugnis, welches hier verwahrt ist.


Polizeiverwaltungsakten.

Die vielen Sammlungsbestände, wie der Zeitungsbestand ab 1816, Fotobestände, Nachlässe verschiedener Persönlichkeiten und Vereine aus Suhl bereichern das Stadtarchiv. Aber auch zahlreiche Sonderbestände schließen Lücken der Stadtgeschichte.

Der Beginn der Aktenordnung und Aktenpflege

Auf Geheiß des Reichs- und Preußischen Ministeriums des Innern vom 11. August 1937 begann nun auch der Suhler Magistrat mit der Archivpflege. Unterstützung gab hierbei die Archivberatungsstelle des Staatsarchivs Magdeburg.

Das archivische Augenmerk wurde nun auf heimat- und familiengeschichtliche Schriften als bedeutsames Kulturgut gerichtet. Dazu gehörten zunächst Satzungen der Handwerkinnungen, Urkunden, Protokolle, Amts- und Geschäftsbücher, Testamente, Nachlassschriften etc.

Es galt, jegliches Schriftgut – Chroniken, Fotos und Bilder – von den Böden und aus den Kellerräumen städtischer und öffentlicher Gebäude, wie Pfarramt, Museum, sowie aus Truhen, Kisten und Schränken zusammenzutragen, zu sichten und zu erfassen und für die fach- und sachdienliche Benutzung zu verzeichnen.

Eine der Aufgaben des Archivpflegers war die ordnungsgemäße Lagerung der Dokumente. Voraussetzungen hierfür waren schon damals trockene, gut zu lüftende, saubere und ungezieferfreie Räume, die aber auch Schutz vor Feuer bieten mussten.

Bis zu jener Zeit, war für die Registratur und das Archiv, was laut Geschäftsverteilungsplan der Stadt zur Kultur- und Gemeinschaftspflege gehörte, keine Planstelle ausgewiesen.


Gesetzbücher.

Nun jedoch wurde das Archiv dem Stadtinspektor Friedrich Christian Triebel, *7.1.1890, unterstellt, und die Archivpflege erfolgte im Ehrenamt.

Heinrich Friedrich Christian Kunze, *25.4.1861 in Craja,  war Lehrer a. D. und der erste Archivpfleger für das Ratsarchiv. Er wurde im Jahr 1937 vom Staatsarchiv Magdeburg mit dem Amt belegt und betreute das Archiv bis zu seinem Tod am 22.4.1939. Bekannt wurde er auch mit dem „Suhler Sagenbuch“.

Sein Nachfolger, Gustav Prinz, ebenso Lehrer a. D., wurde mit Wirkung vom 19.12.1940 vom selbigen Staatsarchiv als staatlicher Archivpfleger benannt. Auch er schied mit seinem Tod am 17.3.1943 aus dem Amt.

Studienrat Dr. Erich Jäger *29.9.1891 übernahm das Amt des Archivpflegers. …….

Der vormalige Stadtinspektor Friedrich Christian Triebel war mit Wirkung vom 1. April 1953  der erste hauptamtliche Stadtarchivar der Stadt Suhl.

Am 1. Oktober 1968 übernahm Willy Hönniger (*26.1.1906, +2.4.1984) aus Schmalkalden das Suhler Stadtarchiv. Er leitete das Stadtarchiv bis zum 17.09.1973.

Zum 1. Oktober 1973 wurde Reiner Wurzler (*6.3.1930, +16.1.1996) zum Suhler Stadtarchivar berufen. Unter seiner Leitung wurde das Stadtarchiv nach mehrmaligen Verlagerungen in den Jahren 1974/75 in der Straße der OdF 5 eingerichtet.


Hebelschubanlage.

Der stetige Zuwachs an Archivalien im Laufe der Jahrhunderte erforderte zu jeder Zeit unter Beachtung klimatischer Voraussetzungen entsprechende Räumlichkeiten. So musste das Stadtarchiv erneut umziehen und befand sich von 2000 bis 2009 im ehemaligen Haus Philharmonie in der Bahnhofstraße.

Im Stadtarchiv wie zuhause fühlen

Wer den Weg heute nach Heidersbach sucht, wird im Stadtarchiv herzlich empfangen. Die Mitarbeiterinnen helfen bei der Aufsuchung der gefragten Dokumente. Diese können im Lesebereich studiert werden. Computer und Findbücher stehen außerdem zur Verfügung, wie auch eine Bibliothek im direkten Zugriff des Gastes. Bild- und Textmaterial kann auf Wunsch auch kopiert oder digitalisiert werden. Zur Verwendung von Abbildungen und Fotos im Rahmen des Urheberrechtsgesetzes kann man sich außerdem von Andrea Walther, Annett Raute und Antje Chudy beraten lassen. Kosten für Scans, Kopien, Foto-Reproduktionen und Nutzungsentgelte regelt dabei die Archivgebührenordnung mit moderaten Preisen.


Lesebereich.

Auch wer kein Heimatforscher ist, nicht wissenschaftlich arbeitet oder keinen Rechercheauftrag seines Bildungsträgers oder Arbeitgebers hat, wer also nur neugierig ist, findet im Stadtarchiv gerne Einlass und sicher eine Inspiration, der einen oder anderen Sache in der Geschichte der Stadt, ihrer alten und neuen Ortsteile oder der eigenen Familie auf den Grund zu gehen.

Stadtarchiv Suhl
Zellaer Straße 159, 98528 Suhl (Heidersbach)

Öffnungszeiten: Dienstag 9:00 bis 16:00 Uhr, Donnerstag 9:00 bis 17:00 Uhr oder nach Vereinbarung

Ansprechpartnerinnen:
Andrea Walther, Tel. 03681 74-2448
Annett Raute, Tel. 03681 74-2369
Antje Chudy, Tel. 03681 74-2625

Titelbild: Archivleiterin Andrea Walther mit einer alten Ausgabe der NHZ-Vorläuferin Henneberger Zeitung aus dem Zeitungsbestand.
Text: Annett Raute/Stadtarchiv, Thomas Dreger; Fotos: Thomas Dreger

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