Rennsteig-Blick

6 Sommer 2022 SAGENHAFTER SCHNEEKOPF Höchster Punkt Thüringens HERZLICH WILLKOMMEN AUF DEM SCHNEEKOPF! Der Schneekopf ist mit 978 Metern Höhe einer der markantesten Berggipfel des Thüringer-Wald-Gebirges und der zweithöchste Berg hier überhaupt. Um knapp fünf Meter überragt ihn nur noch der flache Rücken seines Nachbarn, der Große Beerberg. Der Schneekopf wurde im 18. Jahrhundert mit einer Schutzhütte erschlossen. Seither suchten immer mehr Naturkundler, wie zum Beispiel Goethe, und Wanderer den Berg auf. Um die Aussicht vom damals bewaldeten Gipfel zu verbessern, ließ man Mitte des 19. Jahrhunderts einen Aussichtsturm errichten. Der Schneekopf wurde zum „Must-Have“ auf den Ausflugslisten der Sommerfrischler und Naturfreunde. Als Antwort auf den US-Horchposten auf der Wasserkuppe (Rhön) musste der Schneekopf eine Radarstation der Sowjetarmee ertragen und war 30 Jahre für Wanderer nicht zugänglich. Nach 1990 etablierte sich der Berggipfel wieder als beliebtes Wander- und Ausflugsziel. Heute laden darauf ein Aussichtsturm, in dem man Thüringens höchsten Punkt (1.001 Meter) ersteigen kann, Thüringens höchst gelegener Briefkasten mit Sonderstempel, eine urige Berghütte mit Gastronomie (Neue Gehlberger Hütte), ein Kletterparcours (außen am Turm), der Waldaktivpfad (vom Rennsteig zum Gipfel), der Jägerstein, die Teufelskanzel, ein Gipfelkreuz und eine fantastische Aussicht, Touristen und Ausflügler ein. INTERESSANTES ... VOM UND ÜBER DEN SCHNEEKOPF ZUR GEOGRAFIE Der Schneekopf ist mit 978 Metern Höhe der zweithöchste Berg des Thüringer Waldes. Er sitzt gemeinsam mit dem höchsten Berg (Großer Beerberg, 983 m) dem Mittleren Thüringer Wald oben auf. Sein östlicher Gipfelbereich wird Höllkopf genannt – nach der von dort herablaufenden Erosionsrinne „Hölle“. Nebengipfel des Schneekopfs sind Teufelskreis (967 m, südlich, nahe der Schmücke), Fichtenkopf (944 m, südlich, zwischen Schmücke und Borstenplatz), Brand (885,3 m, östlich, in Richtung Gehlberg), und Goldlauterberg (874 m, südlich, zwischen Borstenplatz und Mordfleck). In vergangener Zeit wurden Berghöhen in Fuß statt wie heute in Metern angegeben. Um 1800 hatte man für den Schneekopf 3.313 (Pariser) Fuß gemessen. Auszug aus: Anschütz, Johann Matthäus: Ueber die Gebirgs- und Steinarten des chursächsischen Hennebergs. Leipzig. – 1788. „Da nun, nach Silberschlags Messung, der Brocken im Harze 3500 Par. Fuße, und nicht mehr, hoch ist: So gehört der Schneekopf immer mit unter die höchsten Berge in Deutschland; wenn es gleich noch höhere Berge in Deutschland giebt ...“ , schrieb der Suhler Gewehrhändler und Hobbygeologe Anschütz 1788. Heute, mit weniger als 1.000 Metern, ist der Berg im deutschen Maßstab kein so großer mehr, aber für die Bewohner Thüringens ist er ein ganz Großer! ZUM KLIMA Durch die Höhenlage bedingt ist das Klima auf dem Schneekopf kühl und humid (feucht). Die Jahresniederschlagsmengen der letzten Jahre liegen zwischen 990 und 1.666 Millimetern. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 5,0 °C. In „normalen“ Wintern weist der Schneekopf eine Schneedecke von einem halben bis über einen Meter Dicke auf. Es gab aber auch Rekord-Schneehöhen von drei bis sieben Metern in den letzten 150 Jahren. Am Nordabhang, in den Kleintälern, die vom Gipfel herablaufen, aber vor allem im schattigen Schneetiegel bleibt der Schnee bis in den Frühsommer hinein liegen. Typisch für die Kammregion des Thüringer Waldes sind die häufigen Nebeltage. Andererseits kann es bei Inversionswetterlagen vorkommen, dass der Schneekopfgipfel aus dem Nebel wie eine Insel herausragt und sich von der Sonne bescheinen lässt. Resultierend aus dem Klima finden wir auf dem Schneekopf eine Vegetation und Tierwelt der hochmontanen Höhenstufe vor mit Relikten der letzten Eiszeit und Vertretern alpiner Arten. Der hohe Niederschlag hat zur Bildung von Hochmooren am Schneekopfgipfel, auf dem Teufelskreis und dem Fichtenkopf geführt. Die etwa 75 Jahre alten Fichten, die heute den Schneekopfgipfel umgeben, wurden aktionistisch aus unbekannten Herkünften gepflanzt und entsprechen nicht der autochthonen Fichtenrasse. ZUR GEOLOGIE Der Schneekopf ist vulkanischen Ursprungs, kann man vielerorts lesen. Das trifft aber nur auf das Gestein seines Gipfels zu. Seine heutige Gestalt stellt kein Vulkangebäude oder dessen Überreste dar. Der Fachmann spricht von einem Vulkanit-Härtling, den die Erosion seit Millionen von Jahren aus dem umgebenden Gestein herausmodelliert hat. Dieser besteht aus Rhyolith (früher „Porphyr“ genannt) und wurde vor knapp 290 Millionen Jahren von Vulkanen ausgestoßen (in Form von Lava). Dass der Rhyolith hier eruptiv entstanden ist, belegen die ihn begleitenden Tuffe/Pyroklastite. Das sind Gesteine, die aus der Tephra (Asche, Lapilli, Lavabomben) zusammengepresst worden sind. Die Rhyolithe und Rhyolithtuffe werden der OberhofFormation des Rotliegend (eine lithostratigrafische Einheit) und damit dem geologischen Zeitalter Perm zugeordnet. Lage und Beschaffenheit der Vulkangebäude und -schlote sind heute nicht mehr rekonstruierbar. „Der eigentliche Schneekopf besteht aus röthlichtgrauem festem Porphir (Rhyolith, d.A.) mit sehr wenig Feldspath, der leicht verwittert; daher manche Stücke dieses Porphirs im Bruche löchericht aussehen. Dabey findet sich auch ein brauner sehr grobkörnigter schlechter Porphir; und neuerlichst ein Porphir von röthlichbraun- und weißgrau-gestreifter Grundmasse. Andere Steinarten, als diese, sind mir am eigentlichen Schneekopf nicht bekannt.“ (Anschütz s.o., 1788) Rhyolith besteht in der Grundmasse überwiegend aus Quarz (bis 60 %). Durch den hohen Quarzanteil zählt man ihn zu den „sauren Effusiva“. ZU DEN SCHNEEKOPFKUGELN „... es finden sich hier vornämlich auf der sogenannten güldenen Brücke runde Kugeln, welche innwendig hohl, und voller so wohl gefärbter als ungefärbter Crystalle sind. Einige derselben haben ein ganz besonderes Feuer, nur fehlt ihnen die Härte; Ich habe einen hiacinthfarbigten aus dieser Gegend gesehen, der außer der Härte einem orientalischen fast nichts nachgiebt. Die amethistfarbigten machen unter denen gefärbten Crystallen in diesen Kugeln den größten Theil aus, und haben ebenfals öfters ein sehr schönes Feuer. ... Achat, Jaspis und Calcedon findet man auch nicht selten in dergleichen Schneekopfskugeln, in andern Eisenram-Stücken von obgedachten halb Edelgesteinen ...“ Aufgeschlossene Rhyolith-Bänke im Schneetiegel. Aufgeschlagenes Rhyolith-Handstück vom Schneekopf mit innen liegenden Feldspäten (z.T. gelblich verwittert). Deutlich zu erkennen sind auch Fließstrukturen der ehemaligen Lava. Der aufgelesene Stein weist eine Verwitterungsrinde auf.

RkJQdWJsaXNoZXIy NzQzODI=